Interview mit Gergely Buzás, Archäologe und Kunsthistoriker, Direktor des König-Mátyás-Museums des Ungarischen Nationalmuseums
Schon in seiner Kindheit widmete er sich nicht nur seinem Beruf, sondern auch dem Mittelalter. In Visegrád wurde er Archäologe und übernahm dort später auch die Leitung jener Einrichtung, die nicht nur seine Alma Mater war, sondern bis heute auch ein Stück weit sein Zuhause ist. Wir haben uns mit Gergely Buzás unterhalten.
Wie groß ist die Resonanz in Fachkreisen auf den sensationellen Fund aus Visegrád?
Sowohl im Radio als auch im Fernsehen und in den Online-Medien hatte alles, was wir nun in Visegrád gefunden haben, einen hohen Nachrichtenwert. Sowohl die Burgverwaltung als auch das Ungarische Nationalmuseum waren bestrebt, die Presse so ausführlich wie möglich über die Ergebnisse der Ausgrabungen zu informieren. In den letzten Jahren war dies zweifellos einer der Funde in Visegrád, der das größte Echo hervorgerufen hat, aber es geht um weit mehr als das.
Wenn wir beispielsweise die letzten fünfzig Jahre betrachten, können wir dann zum Vergleich einen ähnlich bedeutenden Fund anführen?
Eigentlich kann man sagen, dass in Visegrád nur alle hundert Jahre ein Fund von vergleichbarer Bedeutung zutage tritt. Um 1940 wurde der Herkules-Brunnen entdeckt, und in den 1830er Jahren galt das Auftauchen der Madonna von Visegrád als eine ebenso bedeutende archäologische Sensation. Das bedeutet natürlich nicht, dass im Zuge der Ausgrabungen nicht auch andere spannende und wichtige Fundstücke ans Licht gekommen wären. In den 1960er Jahren war auch das von Miklós Héjj und Ernő Szakál geleitete Rekonstruktionsprojekt zu den gotischen Zierbrunnen von Visegrád von internationaler Bedeutung. Unter den großen Errungenschaften sticht daher diese aktuelle besonders hervor.
Was sagt uns dieser aktuelle Fund Neues?
Wir wussten, dass das Franziskanerkloster eng mit dem Königspalast verbunden war, aber wir hätten nicht gedacht, dass es sich um ein Gebäude von solch hohem Niveau handeln könnte. Der Altar der Kirche wurde ebenso wie die Ausstattung der Palastkapelle aus Florenz herbeigeschafft. Wir wussten, dass Benedetto da Maiano für König Matthias gearbeitet hatte; darüber sind auch schriftliche Quellen erhalten geblieben: Eine Urkunde aus dem Jahr 1493 erwähnt einen früheren, jedoch unvollendet gebliebenen königlichen Auftrag. Nun ist es jedoch möglich, dass wir auch das Werk selbst gefunden haben. Sicher ist jedenfalls, dass eines der bisher verborgenen ungarischen Werke des bedeutendsten italienischen Marmorskulptors jener Zeit einst in Visegrád stand.
Die Freilegung der Überreste der Kirche ist daher auch im internationalen Kontext von Bedeutung.
Das ist vollkommen richtig. Nachdem die Fragmente gefunden worden waren, habe ich als Erstes einen italienischen Kollegen um ein Gutachten gebeten, der der führende Experte auf diesem Gebiet ist. Kunstwerke aus der frühen Renaissance werden außerhalb Italiens ausschließlich in Ungarn, aus dem Hof von Matthias stammen; daher wird das, was wir hier entdecken, sofort auch von italienischen Forschern wahrgenommen – und natürlich von allen auf der Welt, deren Fachgebiet diese kunsthistorische Epoche ist. Erst ab Beginn des 16. Jahrhunderts tauchten ähnliche Werke in anderen Regionen Europas auf; wer sich also für die Kunst des italienischen Quattrocento interessiert, sollte neben Italien auch Buda und Visegrád im Blick behalten.
Inwieweit hatte sich dieser Renaissance-Einfluss zu Zeiten von Matthias hierzulande verbreitet?
Man kann sagen, dass abgesehen vom Hof nur wenige hochrangige Geistliche den neuen Stil übernahmen, doch auch diese konnten meist nur italienische Künstler der zweiten oder dritten Reihe beschäftigen. Das Werk von Benedetto da Maiano ist auch deshalb eine sehr wichtige Entdeckung, weil schriftliche Quellen zwar erwähnen, dass Matthias auch Arbeiten bei erstklassigen Florentiner Künstlern in Auftrag gab, aber alles, was bis heute erhalten geblieben ist, eher die zweite Reihe repräsentiert (z. B. die Werke von Giovanni Dalmata oder Gregorio di Lorenzo). Man kann also keineswegs behaupten, dass sich die Frührenaissance zu Matthias’ Zeiten in Ungarn verbreitet hätte; im Gegenteil, es scheint sich nun immer mehr zu bestätigen, dass Matthias auch ein regelmäßiger Auftraggeber der führenden italienischen Künstler war.
Was hat Sie damals zu diesem alles andere als gewöhnlichen Beruf geführt? Wie wurde aus Gergely Buzás ein Archäologe?
Schon als kleines Kind faszinierten mich Ritterromane, Burgen und gotische Kathedralen. Schon in der ersten Klasse des Gymnasiums wusste ich, dass ich Archäologe werden würde. Die Kunstgeschichte kam erst an der Universität als Zweitfach hinzu. Im Fachbereich Archäologie waren András Kubinyi, ein herausragender Experte für die Matthias- und die Jagiellonen-Zeit, sowie im Fachbereich Kunstgeschichte Ernő Marosi und Sándor Tóth meine Professoren. Zwar habe ich das Geschichtsstudium nicht abgeschlossen, da ich mich zu diesem Zeitpunkt bereits ausschließlich auf das Mittelalter konzentrierte und keine Zeit mit der Neuzeit verbringen wollte, doch auch dort konnte ich von so hervorragenden Wissenschaftlern wie László Solymosi, Erik Fügedi oder Jenő Szűcs lernen. Ihnen allen verdanke ich jene interdisziplinäre Herangehensweise, die für die Mittelalterforschung unverzichtbar ist.
Welche war die erste große Ausgrabung, die Ihnen unvergesslich in Erinnerung geblieben ist?
Noch als Gymnasiast arbeitete ich bei den Ausgrabungen am Paulinerkloster auf dem Jakab-Hügel bei Pécs an der Seite des Archäologen Gábor Kárpáti. Ich wurde in Pécs geboren, und meine Großeltern wohnten am Fuße des Jakab-Hügels, in Kővágószőlős. Zu meinen prägenden Kindheitserlebnissen gehörte es, im Gemüsegarten mittelalterliche Tonscherben zu sammeln, die wir dann gemeinsam mit meinem Großvater ins Museum brachten. Wir unternahmen viele Ausflüge in die Umgebung, und ich sah die Ruinen, die meine Fantasie sehr beflügelten. Als kleiner Gymnasiast begann ich als Aushilfskraft bei Ausgrabungen mitzuarbeiten, und meine Begeisterung ist seitdem ungebrochen.
Für einen Archäologen, der sich mit dem Mittelalter beschäftigt, ist Visegrád früher oder später ein obligatorischer Zwischenstopp.
Als Studienanfänger hatte ich eine Kommilitonin, die ein Jahr über mir war und mit der ich Kunstgeschichte belegte. Sie wusste, was mich interessierte, und als Mátyás Szőke bei András Kubinyi zu Gast war, der damalige neue Direktor des Museums in Visegrád, der einen jungen Menschen suchte, der bereit wäre, sich mit den behauenen Steinen des Palasts von Visegrád zu beschäftigen, empfahl mir meine Kommilitonin, diese Gelegenheit zu ergreifen, und ich nahm die Aufgabe gerne an. Nach der ersten Kubinyi-Prüfung im Januar machte ich mich bei eisiger Kälte auf den Weg nach Visegrád. Mátyás Szőke führte mich in den Hof, wo ein schneebedeckter Steinhaufen lag, und sagte nur: – Lieber Gergely! Wenn du das hier in den nächsten fünf Jahren verarbeitest, wirst du Archäologe. Ich habe beschlossen, dass das ziemlich spannend aussieht, also bin ich tatsächlich Archäologe geworden und bin auch hier in Visegrád geblieben.
Hat er parallel dazu auch die verschiedenen Stufen der akademischen Laufbahn durchlaufen?
Nein, ich habe sofort im Museum angefangen zu arbeiten. Und zwar schon als Lagerist, noch während meines Studiums. An der Universität hatte ich nie eine Festanstellung. Nach meinem Abschluss 1989 bat mich Professor Kubinyi, als beauftragter Dozent am Lehrstuhl zu bleiben und den Studierenden mittelalterliche Architekturgeschichte zu unterrichten. Ich habe also zwar unterrichtet, aber meine Haupttätigkeit war die Stelle im Museum. Trotzdem habe ich 26 Jahre lang an allen vier Universitäten, an denen es in Ungarn einen archäologischen Lehrstuhl gab, nacheinander unterrichtet, ohne jedoch jemals eine Festanstellung an den Universitäten zu erhalten. Im Jahr 2016 habe ich dann jede Form der Lehre aufgegeben, da die Ausgrabungen so stark anliefen, dass ich einfach keine Zeit mehr für die Universität hatte. Zu dieser Zeit kamen große Projekte wie beispielsweise die Ausgrabung der Burg von Eger hinzu.
Dann gibt es noch die 3D-Rekonstruktion. Zahlreiche seiner Arbeiten und Beiträge auf diesem Gebiet sind sowohl online als auch in Ausstellungen zu sehen…
In den 1990er Jahren habe ich viel bei einer Ausgrabung in Frankreich gearbeitet. Dort habe ich zum ersten Mal eine solche digitale Rekonstruktion gesehen. Die Rekonstruktion der dritten Kirche der Abtei von Cluny wurde von der IBM sein Team arbeitete mit französischen Kunsthistorikern zusammen. Das war damals eine enorme Neuheit, vielleicht sogar die erste so groß angelegte virtuelle Rekonstruktion. Da mich innerhalb des Mittelalters vor allem die Architektur und architektonische Rekonstruktionen interessieren, hat diese neue Möglichkeit meine Aufmerksamkeit sehr geweckt. Schon als Gymnasiast habe ich in meiner Freizeit Gebäuderekonstruktionen gezeichnet, und später habe ich das Zeichnen als Archäologe als wissenschaftliches Werkzeug fortgesetzt. Anfang der 2000er Jahre war es dann so weit, dass für das virtuelle 3D-Zeichnen keine Informatikkenntnisse mehr erforderlich waren, da die ersten benutzerfreundlichen CAD-Programme für Architekten fertiggestellt wurden. Das erwähnte Projekt im Zusammenhang mit der Cluny-Kirche wurde noch von einer ganzen Abteilung bei IBM durchgeführt, doch mit den neuen Programmen konnten nun auch Architekten und Archäologen arbeiten – natürlich vorausgesetzt, sie verfügten über gewisse CAD-Kenntnisse.
Mein erstes Projekt betraf die Abteikirche in Szekszárd; ich habe die Rekonstruktion der Kirche und ihres Gewölbes erstellt. Danach folgte die Rekonstruktion der Kirche des Ellés-Klosters in Csongrád. Zu diesem Zeitpunkt stieg ich dann auf die Software um, die ich bis heute verwende.
Im Jahr 2008 wurde anlässlich des Matthias-Jubiläums das Jahr der Renaissance ausgerufen; zu dieser Zeit fand das Architekturstudio Narmer sein Leiter, Zsolt Vasáros, ein Architekt mit ähnlichen Interessen wie ich. Er bat mich um die Mitarbeit an einem großen gemeinsamen Projekt, dessen Ziel es war, die bedeutendsten Werke der ungarischen Renaissance im virtuellen Raum zu präsentieren. Das Ergebnis unserer Zusammenarbeit war die Sonderausstellung „Renaissance-Bildersammlung“ des Nationalmuseums sowie der dazugehörige Bildband. Seit 2010 widme ich mich vor allem der Pazirik Informatik GmbH.Ich arbeite mit … zusammen; diese haben sich bereits ausdrücklich auf archäologische Rekonstruktionen spezialisiert. Ich erstelle das virtuelle 3D-Modell, dann fügen sie realistische Texturen hinzu, modellieren die Umgebung, erstellen daraus Animationen oder drucken es gegebenenfalls in 3D aus. Abgesehen von mir gibt es heute in Ungarn nur noch etwa drei bis vier Fachleute aus den Geisteswissenschaften (Archäologen, Kunsthistoriker, Architekturhistoriker), die auf ernsthaft professioneller Basis digitale 3D-Gebäuderekonstruktionen erstellen. Mit ihnen arbeiten wir sehr oft bei größeren Projekten zusammen. Ich gebe zu, dafür braucht es auch eine gewisse Verrücktheit, die man von einem Archäologen grundsätzlich nicht erwarten kann. Für mich ist das auch ein Hobby. Aber die 3D-Rekonstruktion ist für mich vor allem ein sehr wichtiges Forschungsinstrument. Jemand hat einmal gesagt, dass wir ein Gebäude nur dann wirklich kennenlernen können, wenn wir es systematisch abbauen. Tatsächlich lernen wir es aber auch kennen, wenn wir es aufbauen – sei es auch nur virtuell.
Ausgrabungen, Museumsführungen, die Gestaltung von Ausstellungen und zur Entspannung eine kleine digitale Rekonstruktion…
So wird es einem ganz sicher nicht langweilig. Wenn einem von etwas ein bisschen zu viel wird, muss man nur nach draußen gehen oder am Computer einen anderen Projektordner öffnen – und schon wartet dort etwas ganz anderes auf einen.
Es kommt nicht oft vor, dass sich ein Forscher aus dem Bereich der Geisteswissenschaften aus dem geisteswissenschaftlichen Bereich so tief in die Welt der Informatik eintaucht, und obwohl viele von uns von den wunderbaren Methoden des Informatik-Literaturwissenschaftlers Iván Horváth begeistert waren, ist doch eher eine völlige Distanzierung von den 230 Volt die Regel.
Meine Generation ist gemeinsam mit der digitalen Technologie gewachsen. Ich habe meine Abschlussarbeit noch mit der Schreibmaschine geschrieben und die Abbildungen auf Transparentpapier gezeichnet. Ich war bereits Museologin, als ich mir meinen ersten Computer kaufte – und zwar von dem Geld, das ich für die Veröffentlichung meiner Abschlussarbeit erhalten hatte. Revolutionäre Neuerungen wie Textverarbeitungs- oder Layoutprogramme sowie digitale Zeichen- und Bildbearbeitungssoftware, die heute völlig alltäglich erscheinen, die Arbeit eines Forschers oder Archäologen in einem Maße erleichtert haben, das sich kaum in Worte fassen lässt. Digitale 3D-Zeichenprogramme stellen im Vergleich dazu eine um ein Vielfaches größere Hilfe dar. An der Universität habe ich den Archäologiestudenten beigebracht, wie man digitale Rekonstruktionszeichnungen anfertigt, aber ich hatte selbst niemanden, der mir das beigebracht hätte. Damals musste ich das selbst herausfinden. Unter Nutzung der wenigen verfügbaren Werkzeuge gelang es mir schließlich beispielsweise, ein Netzgewölbe auf dem Computerbildschirm darzustellen. Die Arbeit hat sich also immer gelohnt, aber sie erforderte viel Energie und Ausdauer sowie natürlich auch die Fähigkeit, Rückschläge wegzustecken.
Werden Archäologiestudenten heutzutage in 3D-Rekonstruktion unterrichtet?
Über die letzten acht Jahre habe ich relativ wenige Informationen, was die Ausbildung betrifft, aber als der Fachbereich für Archäologie an der Pázmány-Péter-Universität gegründet wurde, haben wir die Vermittlung von 3D-Rekonstruktionen dort ausdrücklich als Programmpunkt aufgenommen. Ich befürchte, dass es in diesem Bereich der Lehre noch einiges zu verbessern gibt, aber die jungen Leute gehen bereits viel mutiger mit diesen Werkzeugen um als meine Kollegen in den Anfängen der Digitalisierung. Heutzutage ist die archäologische Forschung kein Ein-Mann-Unternehmen mehr, sondern eine Teamarbeit, an der viele Experten beteiligt sind und zu der auch die 3D-Rekonstruktion gehört. Um ein perfektes Ergebnis zu erzielen, müssen mehrere Disziplinen zusammenarbeiten (in unserem Fall digitale Grafik, Informatik, Archäologie und Kunstgeschichte), und das Ergebnis einer solchen Zusammenarbeit kann nur dann wirklich stichhaltig sein, wenn wir nach Authentizität und Qualität streben. Und genau das ist es wert.
Wenn dieser Artikel erscheint, werden Sie bereits 150 km von Visegrád entfernt an einer weiteren Ausgrabungsstätte im Balaton-Hochland arbeiten. Könnten Sie uns auch darüber ein wenig erzählen?
Sehr gerne, denn es handelt sich um eine wunderbare Ausgrabung in Monostorapáti. Wir legen ein Kloster aus der Árpád-Zeit frei. Die Arbeiten dauern seit 2014 an. Die örtliche Gemeinde hat die Ausgrabung gemeinsam mit dem Pfarrer und einem Museologen aus Tapolca, László Hangodi, initiiert, da anhand von Urkunden und einem noch erhaltenen Mauerrest bekannt war, wo genau dieses Kloster einst stand. Man fragte mich, ob ich die Leitung der Ausgrabung übernehmen würde, und ich sagte gerne zu. So begannen wir die Arbeiten im Auftrag des König-Mátyás-Museums des Ungarischen Nationalmuseums in Zusammenarbeit mit dem Museum in Veszprém. Es handelt sich um ein rein ehrenamtliches Projekt: Hier arbeiten die Einheimischen gemeinsam mit anderen Freiwilligen, die von weit her gekommen sind, sowie mit Studenten, Archäologen und anderen Fachleuten. Dort arbeiten nur diejenigen, die sich der Ausgrabung verschrieben haben, sodass jeder Augenblick dieser Arbeit großartig ist. Und der Ort ist wunderschön, mitten in einem Wald, neben Quellen mit klarem Wasser.
Es handelt sich um ein zwischen 1117 und 1121 errichtetes Kloster, das dem Geschlecht der Atyusz gehörte. Eine wunderschöne Kirche aus der romanischen Zeit mit prächtigen Marmorschnitzereien, genau wie heute in Visegrád, nur dass diese aus dem 13. Jahrhundert stammen. Mit Hilfe unserer Kollegen, die sich uns mit Metalldetektoren angeschlossen hatten, fanden wir auch sehr schöne Metallgegenstände, darunter Buchbeschläge und eine reichhaltige Sammlung von Münzen. Im Jahr 2022 legten wir zudem die Gräber der mittelalterlichen Patronatsfamilien des Klosters frei. Ein Team aus Anthropologen und Archäogenetikern hat uns bei der Auswertung dieser Funde unterstützt. Dank dessen konnten wir die Verstorbenen sogar namentlich identifizieren.
Die Verbundenheit der örtlichen Gemeinde mit diesem Ort ist bewegend. Auf ihren Wunsch hin haben wir die ausgegrabenen menschlichen Gebeine feierlich in der Pfarrkirche von Monostorapáti in einem eigens zu diesem Zweck angefertigten, kunstvollen Sarkophag wieder beigesetzt. Die Dorfbewohner bilden eine urheimische Gemeinschaft, deren Vorfahren seit Jahrhunderten hier leben. All dies ist auch deshalb interessant, weil während der türkischen Herrschaft ein Großteil der ungarischen Siedlungen entvölkert wurde und erst nach einer langen „Pause” neue Siedler eintrafen, die nur noch die Überreste der von den Türken verwüsteten Dörfer vorfanden, sodass sie keine Verbindung zu den Menschen hatten, die früher hier gelebt hatten – und diese auch gar nicht haben konnten. Nur wenige Ortschaften bilden eine Ausnahme. Dazu gehört auch Monostorapáti, und dazu gehört auch mein Dorf, Kővágószőlős im Mecsek, wo meine Vorfahren jahrhundertelang unter den Ruinen des Klosters auf dem Jakab-Hügel lebten. Vielleicht liegt es auch daran, dass mir Monostorapáti und seine alte Abtei so sehr am Herzen liegen, weil sie mich an meine kleine Heimat erinnern.
Ich wünsche Ihnen auch für die in Monostorapáti begonnenen Ausgrabungen ebenso große Erfolge wie bisher und bedanke mich herzlich dafür, dass wir durch unser Gespräch den Arbeitsalltag Ihrer Tätigkeit etwas näher kennenlernen durften und dass Sie uns einen kleinen Einblick hinter die Kulissen gewährt haben.
2024. 07. 03.
Quelle des Fotos: kultura.hu



