Imre Makovecz’ Visegrád (Teil 1)
Ein symbolträchtiger Teil des baulichen Erbes von Visegrád sind die fünf Bauwerke, die wir Imré Makovecz zu verdanken haben. Jedes Jahr kommen viele Tausend Menschen nach Visegrád, die sich speziell diese Werke ansehen möchten, daher richtet sich unsere Miniserie in erster Linie an sie sowie an alle, die sich für die Architektur des 20. Jahrhunderts und insbesondere für die von Makovecz in Ungarn prägende organische Stilrichtung interessieren.
Unsere Stadt befindet sich in der glücklichen Lage, dass der legendäre Meister hier die Mócsai-Tanyá, das Kulturhaus „Erdei“, das Restaurant „Mogyoróhegy“, die Terrassenanlage des Restaurants „Nagyvillám“ sowie – vielleicht das berühmteste der fünf – die László-Magyar-Sporthalle errichtet hat. Das Besondere an den Makovecz-Gebäuden ist, dass sie auf den ersten Blick fast mit absoluter Sicherheit zu erkennen sind. Zwar weist die organische Architektur, die vor allem in den Fußstapfen des Jugendstils auf den vom 20. Jahrhundert belasteten Ruinen entstanden ist, an sich unverwechselbare Stilelemente und Merkmale auf, doch: Ein Hundertwasser- oder gar ein Medgyaszay-Gebäude lässt sich kaum mit einem Makovecz-Entwurf verwechseln, der in jedem Detail einzigartig ist und immer wieder neue, isolierte Erlebnisse bietet.
Ab 1981 organisierte er zwanzig Jahre lang Jahr für Jahr die sogenannte Visegrád-Lagert. Als er seine Bauworkshops abhielt, hatte er sich bereits voll und ganz dem Zweig der organischen Architektur verschrieben, der im Hinblick auf sein Gesamtwerk zu seinem Markenzeichen wurde und dank seiner Lehrtätigkeit bis heute in der ungarischen organischen Architektur maßgeblich vertreten ist. Einen sehr bedeutenden Teil seiner Kindheit verbrachte er in Nagykapornak, und vermutlich übte die Volkskunst bereits damals einen starken Einfluss auf ihn aus. In seinen Werken tauchen immer wieder volkstümliche Motive und strukturelle Besonderheiten auf, doch das auffälligste wiederkehrende Element ist die reichhaltige Verwendung von Holz. Seine Gebäude wirken tatsächlich so, als wären sie an dem Ort, für den sie entworfen wurden, „herausgewachsen”.
Der Mócsai-Hof

Der spannende Wohnkomplex auf dem Mogyoró-Hügel in Visegrád ist eigentlich ein U-förmiges Bauernhaus, das mithilfe der Formensprache des volkstümlichen Klassizismus sein inneres Wesen offenbart, nach außen hin jedoch immer stärker mit den Bäumen des Waldes verschmilzt und sozusagen mit seinen Armen nach der Natur hin ausgestreckt ist.
Wer nach regionalen Besonderheiten sucht oder versucht, die historische Epoche, die das Gebäude verkörpert, einzugrenzen, ist auf dem falschen Weg. Der Mócsai-Hof ist im Grunde ein künstlerisches Memento, das uns an die enorme Zerbrechlichkeit des ungarischen Volkes erinnert und an jene unumstößliche Einheit, die Mensch und Natur im ständigen Kreislauf des Lebens miteinander verbindet.
Quelle: makovecz.hu
Quelle der Fotos: wikipedia.hu
2025.04.11.





