Im König-Matthias-Museum des Ungarischen Nationalmuseums in Visegrád sind nun die beiden wunderschönen Cherubköpfe aus Marmor zu sehen, die als die bedeutendste archäologische Entdeckung der letzten mehr als hundert Jahre in Ungarn gelten. Ihr Auftauchen beweist, dass auch in unserem Land jene Meister tätig waren, die unter anderem am Hof der Medici dienten und denen wir die Meisterwerke der Renaissance in ganz Europa verdanken.
Über einen der größten Bildhauer der Frührenaissance, Benedetto da Maiano und Anton Pilgram, der hauptsächlich in Wien tätig war, wurde bei der Entdeckung einer im vergangenen Sommer bei Ausgrabungen gefundenen Fundgruppe bekannt, dass beide für ungarische Könige schufen und ihre Werke in der Gegend von Visegrád verborgen liegen.
Bereits Anfang der 1990er Jahre war bekannt, dass sich unter dem Gelände in der Nähe des Museums (wo inzwischen ein Tennisplatz angelegt wurde) bedeutende Funde befinden. Man vermutete, dass sich unter der Erde die Ruinen einer gotischen Kirche verbargen, die mit Sicherheit Teil der königlichen Residenz gewesen war. Man musste bis zum Jahr 2024 auf die Ausgrabung warten, und sobald die Arbeiten begannen, kam sehr schnell das zum Vorschein, worauf Archäologen schon so lange gehofft hatten. Doch es war noch viel mehr als das. Denn tatsächlich befand sich dort die einschiffige gotische Kirche, und zu ihr gehörte auch eine aus zwei Räumen bestehende Krypta, in der schließlich die beiden Marmorsteine mit Cherubköpfen gefunden wurden. Es stellte sich heraus, dass ihr Schöpfer kein Geringerer war als der weltberühmte Benedetto da Maino. Dies ist wohl die bedeutendste archäologische Sensation der letzten hundert Jahre in Ungarn.
Es handelt sich um den vielleicht einflussreichsten Bildhauer des Quattrocento; er schuf beispielsweise in Florenz die Kanzel der Basilika Santa Croce sowie den Altar in der Seitenkapelle einer der bedeutendsten Kirchen Neapels. Kürzlich kam zudem ans Licht, dass er möglicherweise auch der Schöpfer des berühmten Reliefs war, das König Matthias und Königin Beatrix darstellt, und es ist sehr wahrscheinlich, dass auch der gesamte Altar der nun freigelegten Franziskanerkirche in Visegrád sein Werk ist, da deren erhaltene Marmorköpfe mit Sicherheit von Benedetto da Maiano stammen.
Auch über den Schöpfer des ehemaligen Netzgewölbes der Kirche – das heute natürlich nur noch in seinen Überresten zu sehen ist – wurde das Geheimnis gelüftet. Anton Pilgram war zwischen 1510 und 1515 Leiter der Baugilde des Wiener Stephansdoms, und seit langem wurde auch ein ihm zuordenbarer Entwurf aufbewahrt, über dessen Ausführung jedoch keinerlei Angaben erhalten geblieben sind. Nun scheint es, dass die Zeichnung mit dem gotischen Netzgewölbe der in Visegrád gefundenen Kirche in Verbindung steht. Es ist daher fast sicher, dass Anton Pilgram der Ausführende war.
Es ist also mittlerweile eine Tatsache: Einige der schönsten Bauwerke des ungarischen Königshofs wurden von denselben Meistern geschaffen, die auch das Neapol und Florenz der damaligen Renaissance zu neuer Blüte verhalfen.
Der Skulpturenfund ist in der Dauerausstellung des König-Matthias-Museums im Herkules-Saal des Königspalasts zu sehen.
Quelle: valaszonline.hu
Bildquelle: valaszolnine.hu, Foto: András Zsuppán
2025.01. 10.



